Fokus

komfortzone 360gramm

 Raus aus der Komfortzone

 Martin Linke, Anita Knappe, Susanne Magister, Jenz Steiner

»Stadtluft macht frei« hieß es im Mittelalter. Rein in die Stadt, das bedeutete damals auch: raus aus politischen, rechtlichen und ökonomischen Abhängigkeiten. In feudale Strukturen eingebundene Landbewohner mit einem Minimum an Abenteuerlust flohen in die Städte, wo sie dem Zugriff ihrer Grundherren erst einmal entzogen waren und von ihnen »nach Jahr und Tag« auch nicht mehr zurückgefordert werden konnten. Wer es in die Stadt schaffte, hatte sich aus den Zwängen der Sippe und der feudalen Herrschaft befreit und verschwor sich mit Gleichgesinnten in einem ganz neuen Sozialgefüge, der Bürgerschaft.

In gewissem Sinne macht Stadtluft auch heute noch frei. Allen ökonomischen Konventionen und allen Vereinnahmungsversuchen von dieser oder jener Seite zum Trotz bieten die (Groß-)städte unserer Zeit weitgehend plurale, heterogene und offene Strukturen, die so »auf dem Lande« nicht zu finden sind. Damit sind europäische Stadträume wichtige Laboratorien der sozialen und kulturellen Entwicklung unserer Zeit. In Bezug auf die Zukunft von Wirtschaft und Arbeit, in Bezug auf Wohnformen und Lebensstile, in Bezug auf soziale Zugehörigkeiten und nichtmonetäre Formen von Anerkennung.
Das Experimentieren in diesen Laboratorien erfordert vom heutigen Städter das, was schon die flüchtigen Landleute des Mittelalters mitbringen mussten: ein wenig Abenteuerlust. Wer neue Mobilitätskonzepte oder Schulformen ausprobieren, wer die Nutzung des öffentlichen Raums neu definieren, wer Gentrifizierung und ökonomischer Verwertungslogik etwas entgegensetzen will, muss raus aus der Komfortzone, raus aus scheinbar sakrosankten Konventionen. Das kann mal eher spielerisch geschehen, …

 

Neugierig? Lies weiter in der neuen Ausgabe von 360 GRAMM.