Nahaufnahme – Draußen vor der Tür

Draußen vor der Tür

 Autor: Charlotte Gneuß

Wer auf der Straße lebt, lernt vor allem das Schnorren und das Frieren. Mit der Straßenschule bietet die Treberhilfe Jugendlichen und jungen Erwachsenen in schwierigen Verhältnissen einen anderen Bildungsansatz. Dafür ist das Basisangebot des Vereins in der Neustadt erst mal gestorben. Denn der Stadtteil steht nicht auf dem »Prekarisierungsindex«.

Wir kennen das Viertel, den Eisladen am Park und die Buchhandlung mit der roten Katze im Schaufenster, das für Radfahrer erbarmungslose Kopfsteinpflaster auf der Louisenstraße und den viel zu modernen Platz an der Scheune. Wir kennen das neu eröffnete Yuppie-Café gegenüber von der Bio-Sphäre auf dem Bischofsweg und den räudigen Bahnhof-Neustadt-Lidl, der uns sonntags das Leben retten kann. Wir kennen die Sparkassenfiliale auf der Königsbrücker und die DVB-Zentrale am Postplatz, das japanische Palais und das Postkartenmotiv der Altstadt vom letzten Familienausflug in real, wir wissen, dass es beim Späti am Eck Kolle-Mate gibt und dass wir uns dort nicht weiter um unsere Pfandflaschen kümmern müssen. Wir kennen die Straßenzüge der Stadt vom Neumarkt bis zur Neustadt, vom Hecht bis zur Holzhofgasse als Aufenthaltsorte und Durchgangspassagen, als Treffpunkt, Haltestelle, Spaziergang, Arbeitsweg und Ausflugsziel. Wenn uns dort draußen alles zu viel wird, ziehen wir uns zurück in unsere Zimmer und Wohnungen, in unsere Villen und Doppelhaushälften. Aber wir wissen nicht, wohin die Menschen gehen, die unsere Pfandflaschen sammeln, wo sie schlafen, duschen und Liebe machen und wir wissen auch nicht, wie viele es genau sind, die da draußen leben, draußen vor der Tür.

Denn es gibt viele offizielle Statistiken in Deutschland, aber eine offizielle Wohnungslosenstatistik gibt es …

Neugierig? Lies weiter in der neuen Ausgabe von 360 GRAMM.

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