360 Schritte

360 Schritte Ausgabe 1 Christian Bräutigam auf der Bolivarstraße

Wenn es viel zu gut läuft

Anne-Kathrin Roßner

Per Dartpfeil-Wurf auf einen Dresden-Stadtplan haben wir den Ausgangspunkt unserer Reise durch die Stadt bestimmt: die Bolivarstraße in Trachau. Von dort aus 360 Schritte, umschauen, ansprechen. Wer zuerst auftaucht an diesem Ort, wird gefragt – nach seinem woher und wohin, nach seinem warum und mit wem. Die- oder derjenige darf dann bestimmen, wohin es als nächstes geht. Bei unserer Premiere haben wir getroffen: Christian Bräutigam, 31.

Wer an einem Dienstagvormittag die Bolivarstraße in Trachau entlang kommt, der hat entweder einen Korb, einen Hund oder eine Bohrmaschine dabei. Am Straßenrand parken Fahrzeuge mit den Aufschriften „Immobilienservice“, „Haustechnik“, „Gebäudereinigung“ oder auch „Ambulanter Pflegedienst“. Als er auftaucht, passt er irgendwie nicht ins Bild. Christian Bräutigam, 31. Er schlendert gemütlich den Gehweg entlang, unterm Arm eine Flasche roten Direktsaft. Über der grauen Kapuzenjacke trägt er eine bauschige, dunkle Steppweste. Dazu halbhohe Sneaker im gleichen Farbton, lässig zugeschnürt. Er bummelt. Gäbe es hier eine Bank, er würde sich vermutlich setzen.

„Wo kommst du gerade her?“

„Ich komm‘ jetzt grad vom Frauenarzt. Meine Freundin ist schwanger.“

„Und… alles in Ordnung?“

„Alles mega in Ordnung. Viel zu gut. Viel zu groß eigentlich.“

„Erstes Kind?“

„Hm.“

„Was wird’s denn?“

„Ein Junge. Den Namen sagt man ja noch nicht. Ich glaube aus irgendwelchen Gründen.“

„Das ist Aberglaube.“

„Also es wird ein alter deutscher Name.“

„Wo willst du gerade hin?“

„Ich bin auf dem Weg zu meiner Mutter. Da vorne wohnen meine Eltern. Direkt das gelbe Haus, auf das wir drauf zu kommen. Auf der Querstraße da hinten, der Döbelner. Ich hab da auch mal gewohnt. Jetzt aber oben in Hellerau.“

„Bist du in dem gelben Haus aufgewachsen?“

„Nein. Ich bin in Frankfurt / Oder geboren. Sind dann umgezogen. Das ist aber schon ganz lange her.“

Hinten, am nördlichen Ende der Bolivarstraße: Stadtvillen, Einfamilien- und Reihenhäuser, freundliche Fassaden, gepflegte Vorgärten. Auf der Straße grüßt man sich. Wer hier wohnt, will so schnell nicht wieder weg.

Hier ist noch lange nicht Schluss: Den ganzen Text liest du in der 1. Ausgabe von 360 GRAMM. Hier kannst du 360 GRAMM bequem online bestellen.