Editorial – Alles eine Frage des Glaubens

Wenn das Wort »Glaube« fällt, fügt das Gehirn wie eine Suchmaschine automatisch »Liebe, Hoffnung« an. Und blendet man mal den ganzen Süßkram aus der Weihnachts- und Osterzeit aus, dann geht es zumindest aus christlicher Sicht ja genau darum. Weihnachten naht und die Kirchen werden auch dieses Jahr am Heiligen Abend gut gefüllt sein. Aber ein christlicher Glaube, beschränkt auf das Jahres- ende? Für das 360 GRAMM-Team war es an der Zeit, sich mit dem »Glauben« auseinanderzusetzen. Ein starkes Wort, das immer mehr Zusammenhänge preisgibt, je länger man darauf herumkaut. Harald Wagner, Professor an der Evangelischen Hochschule Dresden, fängt zunächst ganz von vorn an. »Warum wir glauben« ist sein Gastbeitrag übertitelt, und an keiner Stelle geht es ums »ob«. Denn das Dilemma ist: Selbst wenn man das eine nicht glaubt, muss man folglich das andere glauben. Es wird im- mer gleich so philosophisch, wenn es ums Glauben geht, dabei beinhaltet das Wort ja auch nicht mehr als »machen«, »denken« oder »wollen«: alles und nichts. Das ganze Leben in all seiner Beiläufigkeit. Die großen und die kleinen Dinge. Und dann ist da noch diese merkwürdige Beziehung zum »Vertrauen«. In »Wille & Weg« geht es um ein neues Selbst- vertrauen, das Glauben schenken kann, und Char lotte Gneuß findet bei ihrer »Nahaufnahme« des Islams eine Religion, bei der sich die Geister scheiden, ob sie nun zu Sachsen gehört oder nicht. Span- nend auch, wie es denn die biodeutschen Dresdner mit der Religion halten. Wozu es wann Taufen braucht. Warum André Hennig nicht glauben will, dass Dresden zur Ski-Hauptstadt geboren ist.

Mit dem Weihnachtstag in Sichtweite lief uns bei der Arbeit an dieser Ausgabe auch der nahe Glaubens-Verwandte »heilig« über den Weg, wobei auf der einen Seite immer die Gläubigen und auf der anderen immer die Heiligen stehen. Das Prinzip ist, dass es von der einen Sorte mehr gibt als von der anderen – obwohl: Auch Heilige unterliegen dem Zeitgeist, wer weiß, wie viele von ihnen mittlerweile existieren, ohne dass noch jemand an sie glaubt. Andererseits: Sind sie dann noch heilig? Wie genau Heiliges und Gläubige zusammengehören, be- (oder er-) leuchtet dieses Heft
im kleinen Einmaleins der Kirchengründung – einer Anleitung zum zielgerichteten Glauben. Davon ganz abgesehen ist 360 GRAMM bei Erscheinen dieser Ausgabe gerade ein Jahr alt geworden. Für uns ein Anlass, dem Glauben an dieses Projekt ebenfalls ganz viel Liebe und Hoffnung hin- zuzufügen und so schließt sich der Kreis.

Siiri Klose
im Namen der Redaktion

Dieser Beitrag erschien in der fünften Ausgabe von 360 GRAMM. Unterstützt unsere Arbeit und kauft das gedruckte Magazin für nur 4,90 Euro, oder ihr entscheidet euch für eines der Soli-Pakete ab 9,90€.

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