Wenn das Wort »Glaube« fällt, fügt das Gehirn wie eine Suchmaschine automatisch »Liebe, Hoffnung« an. Und blendet man mal den ganzen Süßkram aus der Weihnachts- und Osterzeit aus, dann geht es zumindest aus christlicher Sicht ja genau darum. Weihnachten naht und die Kirchen werden auch dieses Jahr am Heiligen Abend gut gefüllt sein. Aber ein christlicher Glaube, beschränkt auf das Jahres- ende? Für das 360 GRAMM-Team war es an der Zeit, sich mit dem »Glauben« auseinanderzusetzen. Ein starkes Wort, das immer mehr Zusammenhänge preisgibt, je länger man darauf herumkaut. Harald Wagner, Professor an der Evangelischen Hochschule Dresden, fängt zunächst ganz von vorn an. »Warum wirweiterlesen

»Mach dir deine eigenen Götter und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken«, forderte einst Epikur. Drei Viertel der Dresdner folgen seinem Rat, ein Drittel sieht die Sache anders. Warum aber wollen die meisten dennoch an irgendetwas glauben? ■ Text: André Hennig In Dresden gibt es nicht nur jede Menge Sehenswürdigkeiten, sondern auch jede Menge Kirchen. Manche sind gleichzeitig Sehenswürdigkeiten, manche nicht, insgesamt stehen rund 70 davon im Stadtbild herum. Nehmen wir an, wenigstens die Hälfte der Dresdner wäre im kirchgangfähigen Alter, sie müssten sonntags, am siebten Tag der Woche, aus allen Nähten plat­zen: Rund 3.500 Gläubige füllten dann durch­schnittlich jedes Gotteshaus, um den Predigten evangelischerweiterlesen

Fernab der üblichen Dresdner Kulturhotspots bekommt ein zartes Pflänzchen erste Knospen – weil eine Handvoll Kulturschaffende und eine Quartiersmanagerin daran glauben, gibt es in Prohlis für mindestens zwei Jahre kostenlos »Kultur im Einkaufszentrum«. ■ Text: Susanne Magister | Fotos: Siegfried Michael Wagner Am Anfang stand: das Vorurteil. Während ich beruflich gerne mal über die »Wirkmacht von Vorurteilen in polemischen Grafiken der Reformationszeit« nachdenke und mich bewusst und allzu gern im Elfenbeinturm aus 500 Jahre alten Kunst- und Zeitdokumenten vergrabe, fasse ich meine ganz realen, aktuell geplagten Ressentiments eher ungern an. Sind wir mal ehrlich: Es lügt, wer behauptet, ohne offen oder versteckt gehegte Vorurteile durchsweiterlesen

In der Rubrik »Tellerrand« berichten wir normalerweise von Dingen, die es in Dresden nicht gibt, aber vielleicht geben sollte. Diesmal machen wir einen Ausflug in die Türkei. Dort geschehen Dinge, die nirgendwo geschehen sollten. Und die auch bei uns geschehen könnten, wenn wir nicht gut aufpassen. ■ Text: Charlotte Gneuß | Illustration: Katja Zadniček Ankunft in einem faschistischen Land. Und trotzdem Palmen. »Neofaschistisch«, korrigiert mich Kenan, der Begriffe sortiert, während er auf ein Lebenszeichen von seinem Freund hofft, der seit drei Monaten in Haft sitzt. Er heißt natürlich nicht Kenan, den Na­men habe ich geändert, darum hat er gebeten, drei­mal hat er mich darum gebeten,weiterlesen